Vor allem an drei politische und wirtschaftliche Ereignisse werden wir uns 2009 erinnern: das Inkrafttreten des EU-Vertrages von Lissabon, die Bundestagswahl und das Andauern der weltweiten Wirtschaftskrise. Im Willy-Brandt-Haus in Berlin gab es eine Vielzahl bemerkenswerter Veranstaltungen und Ausstellungen. Hier ein kleiner Auszug:
Ausstellung: "Ein Bürger für Brandt.
Der politische Grass"
Vom 7. bis 24. April 2009 würdigten der Freundeskreis Willy-Brandt-Haus, das Kulturforum der Sozialdemokratie und das Lübecker Günter Grass-Haus den Schriftsteller und Nobelpreisträger Günter Grass mit einer Fotoausstellung und einem Film. Grass selbst las aus seinen Werken.
Günter Grass engagiert sich wie kein zweiter deutscher Schriftsteller für die Belange und Rechte von Minderheiten, für soziale Gerechtigkeit und Demokratie. Er begreift es als Bürgerpflicht, in politische Debatten einzugreifen. Grass machte Wahlkampf für die SPD, schrieb Reden für Willy Brandt und gestaltete SPD-Plakate.
Neben Grass' politischem Engagement widmete sich die Ausstellung mit Fotografien von Robert Lebeck vor allem der politischen Sozialisation des Schriftstellers: Seine politische Weltsicht wurde nachhaltig von Willy Brandt beeinflusst. Gezeigt wurde ein Film, in dem Zeitzeugen über ihre Begegnungen mit Günter Grass berichten, so etwa Hartmut von Hentig, Arnulf Baring, Klaus Staeck und Friedel Drautzburg.
Ausstellung: Barbara Klemm "Helldunkel. Fotografien aus Deutschland"
Vom 11. November 2009 bis 15. Januar 2010 präsentieren der Freundeskreis Willy-Brandt-Haus und das Institut für Auslandsbeziehungen (ifa) die Ausstellung "Helldunkel. Fotografien aus Deutschland". Barbara Klemm zählt zu den bedeutendsten deutschen Fotografinnen. Die 1939 geborene Künstlerin war von 1959 bis 2005 bei der Frankfurter Allgemeinen Zeitung tätig.
Ihre Arbeiten aus den Jahren 1968 bis 2008 dokumentieren die historische Entwicklung und Gegenwart in einem jahrzehntelang geteilten Land. Einen Schwerpunkt der Ausstellung bilden Fotografien, die in Deutschland Ost und West vor und nach der Wiedervereinigung entstanden sind. Es sind Bilder aus allen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens: Sie zeigen Alltagssituationen und politische Proteste ebenso wie das Leben der Einwanderer oder kulturelle Ereignisse. Die Fotografien vom Mauerfall und der Wiedervereinigung sind ein dramatischer Höhepunkt, der sich bereits in frühen Bildern ankündigt und dessen Folgen Barbara Klemm bis heute genau beobachtet.
Ausstellung: Martin Roemers "Relikte des Kalten Krieges"
Der Kalte Krieg ist vorbei, doch seine Zeichen gibt es noch. Vierzig Jahre lang teilte der Eiserne Vorhang die Länder Europas in Ost und West. Atombunker wurden errichtet, Waffenarsenale angelegt und der Ernstfall geprobt. Vom 11. November 2009 bis 15. Januar 2010 präsentieren der Freundeskreis Willy-Brandt-Haus und die Botschaft des Königreichs der Niederlande die Fotoausstellung "Relikte des Kalten Krieges".
Der niederländische Fotograf Martin Roemers, Jahrgang 1962, hat sich auf die Suche nach den Spuren des Kalten Krieges begeben. Über zehn Jahre unternahm er Reisen durch die Länder diesseits und jenseits des früheren Eisernen Vorhangs: Er besuchte Ost- und Westdeutschland, Großbritannien, Belgien und die Niederlande, Polen, die Ukraine und andere Ostblockstaaten. Er stieg in unterirdische Tunnel, fotografierte verlassene Schaltzentralen, ehemalige Kasernen, abgewrackte Panzer und zerstörte Statuen. In seinen Bildern wird die Ära von Feindschaft, Abschreckung und Wettrüsten noch einmal lebendig - auch als Mahnung für eine friedliche Zukunft.
Preisverleihung: Regine-Hildebrandt-Preis 2009
Am 26. November, dem Todestag der SPD-Politikerin Regine Hildebrandt, wurde im Willy-Brandt-Haus der Regine-Hildebrandt-Preis 2009 an das sächsische "Rocktheater Dresden" und die "Mixed Pickels", eine Initiative gegen Gewalt und Rassismus aus Velten in Brandenburg, verliehen. Die Preisträger wurden dafür geehrt, dass sie sich im besonderen Maße für die Menschen in Ostdeutschland eingesetzt haben.
Seit 2002 verleiht der SPD-Parteivorstand den "Regine-Hildebrandt-Preis der deutschen Sozialdemokratie" an Personen oder gesellschaftliche Gruppen, die sich im Sinne Regine Hildebrandts für Ostdeutschland und seine Menschen engagieren - für die innere Einheit Deutschlands, gegen Rechtsextremismus und Gewalt und für Frieden, Freiheit und soziale Gerechtigkeit. Der Preis ist mit 20.000 Euro dotiert.
Kongress: WSI-Herbstforum
Unter dem Titel "Chancen und Grenzen von Regulierung" tagte am 3. und 4. Dezember das Herbstforum des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) im Willy-Brandt-Haus. Diskutiert wurde über Maßnahmen zur Regulierung der internationalen Finanzmärkte. Anlass des zweitägigen wissenschaftlichen Symposiums war der 65. Geburtstag von Prof. Dr. Heide Pfarr, der Wissenschaftlichen Direktorin des WSI und Geschäftsführerin der Hans-Böckler-Stiftung.
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