Willy-Brandt-Haus

Rückblick

Das Jahr 2009 im Willy-Brandt-Haus

Vor allem an drei politische und wirtschaftliche Ereignisse werden wir uns 2009 erinnern: das Inkrafttreten des EU-Vertrages von Lissabon, die Bundestagswahl und das Andauern der weltweiten Wirtschaftskrise. Im Willy-Brandt-Haus in Berlin gab es eine Vielzahl bemerkenswerter Veranstaltungen und Ausstellungen. Hier ein kleiner Auszug:

 

Februar 2009

Sechster Berlinale-Abend
Weltpremiere: Am 10. Februar wurde beim mittlerweile sechsten Berlinale-Abend im Willy-Brandt-Haus der Kinder- und Jugendfilm "Vorstadtkrokodile" (2009) von Regisseur Christian Ditte uraufgeführt. Der Film ist ein Remake des gleichnamigen Fernsehfilms aus dem Jahr 1977. Als Vorlage diente ein Jugendroman des Schriftstellers Max von der Grün. Die spannende Kriminalgeschichte thematisiert Probleme wie Ausländerfeindlichkeit, Behinderung und Diskriminierung von Frauen.
 

März 2009

Verleihung des Gustav-Heinemann-Bürgerpreises 2009
Am 5. März wurde im Willy-Brandt-Haus der Gustav-Heinemann-Bürgerpreis 2009 verliehen: Bianca Richter von der Bürgerinitiative "Demokratie anstiften" in Reinhardtsdorf-Schöna nahm den Preis für ihr beharrliches Eintreten gegen Rechtsextremismus und für eine tolerante und demokratische Gesellschaft entgegen. Der Philosoph und evangelische Theologe Richard Schröder wurde für sein Engagement zur Vollendung der deutschen Einheit gewürdigt. Der Preis wird jährlich verliehen und ist mit 10.000 Euro dotiert.
 
Porträt Hans Gutmann/Juan Guzmán, © EFE
Porträt Hans Gutmann/Juan Guzmán, © EFE Bild vergrößern  

März bis April 2009

Ausstellung: "Vom Spanischen Bürgerkrieg
zum II. Weltkrieg"
Vom 5. März bis 3. April 2009 präsentierte der Freundeskreis Willy-Brandt-Haus in Zusammenarbeit mit der spanischen Presseagentur EFE und der Botschaft von Spanien im Willy-Brandt-Haus die Fotoausstellung "Vom Spanischen Bürgerkrieg zum II. Weltkrieg". Gezeigt wurden unter anderem Fotografien des deutschen Fotografen Hans Gutmann alias Juan Guzmán. Der Kriegsreporter begleitete die Internationalen Brigaden und wurde während des Spanischen Bürgerkriegs Zeuge der militärischen Operationen der Franco-Truppen im Nordosten Spaniens.

1939 war ein Jahr von besonderer Bedeutung für Spanien und Deutschland. Nach drei Jahren endete der Spanische Bürgerkrieg und ebnete den Weg für 40 Jahre Franquismus. Im gleichen Jahr begann die Invasion der deutschen Wehrmacht in Polen und wurde zum Auslöser des Zweiten Weltkriegs. Die Ausstellung versammelte viele unbekannte Abbildungen, so etwa ein Foto von Heinrich Himmlers Besuch in der Stierkampfarena "Las Ventas" in Madrid oder manipulierte Aufnahmen vom Treffen zwischen Hitler und Franco in Hendaye. Andere Bilder dokumentierten die Unterstützung Francos für Deutschland während des Zweiten Weltkrieges.
 
Günter Grass, © Holger Biermann
Günter Grass, © Holger Biermann  

Ausstellung: "Ein Bürger für Brandt.
Der politische Grass"
Vom 7. bis 24. April 2009 würdigten der Freundeskreis Willy-Brandt-Haus, das Kulturforum der Sozialdemokratie und das Lübecker Günter Grass-Haus den Schriftsteller und Nobelpreisträger Günter Grass mit einer Fotoausstellung und einem Film. Grass selbst las aus seinen Werken.

Günter Grass engagiert sich wie kein zweiter deutscher Schriftsteller für die Belange und Rechte von Minderheiten, für soziale Gerechtigkeit und Demokratie. Er begreift es als Bürgerpflicht, in politische Debatten einzugreifen. Grass machte Wahlkampf für die SPD, schrieb Reden für Willy Brandt und gestaltete SPD-Plakate.

Neben Grass' politischem Engagement widmete sich die Ausstellung mit Fotografien von Robert Lebeck vor allem der politischen Sozialisation des Schriftstellers: Seine politische Weltsicht wurde nachhaltig von Willy Brandt beeinflusst. Gezeigt wurde ein Film, in dem Zeitzeugen über ihre Begegnungen mit Günter Grass berichten, so etwa Hartmut von Hentig, Arnulf Baring, Klaus Staeck und Friedel Drautzburg.

 

Mai 2009

60 Jahre Grundgesetz
Am 23. Mai 1949 trat das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland in Kraft. 2009 wurde es 60 Jahre alt. Dieses Jubiläum wurde Mitte Mai im Willy-Brandt-Haus in Berlin unter dem Motto "Demokratie feiern" begangen: Der Vizepräsident des Bundesverfassungsgerichts, Andreas Vosskuhle, führte ins Thema ein. Franz Müntefering lobte das Grundgesetz in seiner Rede als "menschheitsgeschichtlichen Fortschritt". Im Anschluss stellten unter anderem Gesine Schwan und der Musiker Sebastian Krumbiegel einen Grundgesetz-Artikel ihrer Wahl vor.
 
Kongress der SPD-Bundestagsfraktion
Freiwilligendienste wie das entwicklungspolitische Programm "weltwärts" sind "in". Immer mehr junge Menschen nutzen die Gelegenheit, soziale Verantwortung zu übernehmen. Am 13. Mai stand der Kongress der SPD-Bundestagfraktion unter dem Motto "Freiwillig - im Dienste der Gesellschaft". Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier sprach zum Thema "Demokratie stärken, Gemeinsinn erneuern - hinsehen, mitmachen, anpacken". Auf einem "Markt der Möglichkeiten" präsentierten die Träger der Freiwilligendienste ihre Einsatzfelder und Projekte.
 
Barbara Klemm, Egon Bahr und Martin Roemers, © Holger Biermann
Barbara Klemm, Egon Bahr und Martin Roemers, © Holger Biermann Bild vergrößern  

November 2009 bis Januar 2010

Ausstellung: Barbara Klemm "Helldunkel. Fotografien aus Deutschland"
Vom 11. November 2009 bis 15. Januar 2010 präsentieren der Freundeskreis Willy-Brandt-Haus und das Institut für Auslandsbeziehungen (ifa) die Ausstellung "Helldunkel. Fotografien aus Deutschland". Barbara Klemm zählt zu den bedeutendsten deutschen Fotografinnen. Die 1939 geborene Künstlerin war von 1959 bis 2005 bei der Frankfurter Allgemeinen Zeitung tätig.

Ihre Arbeiten aus den Jahren 1968 bis 2008 dokumentieren die historische Entwicklung und Gegenwart in einem jahrzehntelang geteilten Land. Einen Schwerpunkt der Ausstellung bilden Fotografien, die in Deutschland Ost und West vor und nach der Wiedervereinigung entstanden sind. Es sind Bilder aus allen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens: Sie zeigen Alltagssituationen und politische Proteste ebenso wie das Leben der Einwanderer oder kulturelle Ereignisse. Die Fotografien vom Mauerfall und der Wiedervereinigung sind ein dramatischer Höhepunkt, der sich bereits in frühen Bildern ankündigt und dessen Folgen Barbara Klemm bis heute genau beobachtet.

 
Schule für Luftfahrttechnik auf einem russischen Luftwaffenstützpunkt, © Martin Roemers
Schule für Luftfahrttechnik auf einem russischen Luftwaffenstützpunkt, © Martin RoemersBild vergrößern  

Ausstellung: Martin Roemers "Relikte des Kalten Krieges"
Der Kalte Krieg ist vorbei, doch seine Zeichen gibt es noch. Vierzig Jahre lang teilte der Eiserne Vorhang die Länder Europas in Ost und West. Atombunker wurden errichtet, Waffenarsenale angelegt und der Ernstfall geprobt. Vom 11. November 2009 bis 15. Januar 2010 präsentieren der Freundeskreis Willy-Brandt-Haus und die Botschaft des Königreichs der Niederlande die Fotoausstellung "Relikte des Kalten Krieges".

Der niederländische Fotograf Martin Roemers, Jahrgang 1962, hat sich auf die Suche nach den Spuren des Kalten Krieges begeben. Über zehn Jahre unternahm er Reisen durch die Länder diesseits und jenseits des früheren Eisernen Vorhangs: Er besuchte Ost- und Westdeutschland, Großbritannien, Belgien und die Niederlande, Polen, die Ukraine und andere Ostblockstaaten. Er stieg in unterirdische Tunnel, fotografierte verlassene Schaltzentralen, ehemalige Kasernen, abgewrackte Panzer und zerstörte Statuen. In seinen Bildern wird die Ära von Feindschaft, Abschreckung und Wettrüsten noch einmal lebendig - auch als Mahnung für eine friedliche Zukunft.

 
Regine Hildebrandt, © SPD
Regine Hildebrandt, © SPD  

November 2009

Preisverleihung: Regine-Hildebrandt-Preis 2009
Am 26. November, dem Todestag der SPD-Politikerin Regine Hildebrandt, wurde im Willy-Brandt-Haus der Regine-Hildebrandt-Preis 2009 an das sächsische "Rocktheater Dresden" und die "Mixed Pickels", eine Initiative gegen Gewalt und Rassismus aus Velten in Brandenburg, verliehen. Die Preisträger wurden dafür geehrt, dass sie sich im besonderen Maße für die Menschen in Ostdeutschland eingesetzt haben.

Seit 2002 verleiht der SPD-Parteivorstand den "Regine-Hildebrandt-Preis der deutschen Sozialdemokratie" an Personen oder gesellschaftliche Gruppen, die sich im Sinne Regine Hildebrandts für Ostdeutschland und seine Menschen engagieren - für die innere Einheit Deutschlands, gegen Rechtsextremismus und Gewalt und für Frieden, Freiheit und soziale Gerechtigkeit. Der Preis ist mit 20.000 Euro dotiert.

 

Dezember 2009

Kongress: WSI-Herbstforum
Unter dem Titel "Chancen und Grenzen von Regulierung" tagte am 3. und 4. Dezember das Herbstforum des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) im Willy-Brandt-Haus. Diskutiert wurde über Maßnahmen zur Regulierung der internationalen Finanzmärkte. Anlass des zweitägigen wissenschaftlichen Symposiums war der 65. Geburtstag von Prof. Dr. Heide Pfarr, der Wissenschaftlichen Direktorin des WSI und Geschäftsführerin der Hans-Böckler-Stiftung.

 

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