Das Ökosystem des Willy-Brandt-Hauses

Ein Bauwerk könnte sich kaum mit dem Attribut „modern“ schmücken, würde es nicht auch hohen Umweltstandards gerecht werden. Das Willy-Brandt-Haus erfüllt diese Standards weit über die gesetzlichen Normen hinaus. Ein niedriger Energieverbrauch und die Minimierung der Emissionen waren bei der Konzeption ebenso selbstverständlich wie die Nutzung natürlicher Ressourcen und umweltverträglicher Materialien. 

Das Blockheizkraftwerk wird vorrangig für die Erzeugung von Heizenergie für statische Heizung bzw. die Raumlufttechnik genutzt. Dieser sogenannte „wärmegeführte“ Betrieb ist im Gegensatz zum „stromgeführten“ auf die Einsparung von Primärenergie ausgerichtet. Bei erhöhtem Bedarf an Heizenergie werden zwei Brennwertkessel zugeschaltet. Darüber hinaus wird das Blockheizkraftwerk in Verbindung mit der Absorptionskältemaschine in den Sommermonaten zur Deckung des Kältebedarfs der Raumlufttechnik bzw. der Kühldecken eingesetzt. Die Erzeugung von Elektroenergie wird nachrangig angesehen. Daher erfolgt in der Heizperiode bei Heizbedarf, auch in den Nachtstunden, die Erzeugung von Elektroenergie.

Im Sommer, wenn das Blockheizkraftwerk naturgemäß weniger ausgelastet ist, wird die Abwärme bei der Stromerzeugung genutzt, um eine Absorptionskälteanlage zu betreiben. Sollte zuviel Wärmeenergie frei werden, dann wird sie in einem Pufferspeicher gewissermaßen zwischengelagert, was die Wirtschaftlichkeit des Blockheizkraftwerks weiter steigert.

Die ursprünglich mit Ammoniak betriebene Kompressionskältemaschine wurde ausgetauscht und ist nun fckw-frei. Die Absorptionskältemaschine wird vorrangig betrieben. Die R134a-Kältemaschine dient insbesondere zur Abdeckung des Mehrbedarfs, sobald die Kälteerzeugung der Absorptionskältemaschine nicht mehr ausreichend ist. Weiterhin kann sie zum Laden des Eisspeichers genutzt werden. 

Klimatisierung des Hauses

Niedriger Energieverbrauch und Minimierung der Emissionen

So läuft die Klimatisierung des Hauses in einem ausgeklügelten, höchst wirtschaftlichen Zusammenspiel der verschiedenen Aggregate, vollautomatisch von einer zentralen Leittechnik gesteuert und gemessen. Beheizt werden die Räume durch eine sparsame Fußbodenheizung und Plattenheizkörper sowie an der Glasfassade der Spitze des Gebäudes durch eine Fassadenheizung. Muss bei wärmeren Temperaturen gekühlt werden, wird die Teilklimatisierung der Räume durch Kühldecken unterstützt. Sie führen über Kühltürme auf dem Dach überschüssige Wärme ab. Reicht das nicht, dann wird die Absorptionskälteanlage zugeschaltet, bei Spitzenlast auch die Kompressionskältemaschine, die selbst in thermisch belasteten Räumen ein angenehmes Klima schaffen.

Um den Wirkungsgrad der Anlage weiter zu steigern, entspricht die Isolierung der Außenhaut den neuesten Richtlinien. Für alle Rohrund Behälterisolierungen wurden nur fckw-freie Stoffe verwendet. Die soliden Fensterkonstruktionen der Schallschutzklasse 4 bieten nicht nur Schutz gegen den Verkehrslärm ringsum, sie tragen auch dazu bei, Heizenergie zu sparen.

Besonderes Augenmerk wurde darauf gelegt, im Sommer die Kühlenergie zu reduzieren. So wurde die gesamte Fassade mit Sonnenschutzneutralglas ausgekleidet, in der Fensterhöhe über 1,80 Meter wurden Okarsolargläser eingebaut. Durch Metalllamellen innerhalb der Gläser wird in den Sommermonaten, wenn die Sonne hoch steht, die Wärmestrahlung reflektiert; im Winter hingegen, bei tiefer stehender Sonne, gelangt die Strahlung in die Räume und wärmt sie. 

So setzt das Ökosystem des Willy-Brandt-Hauses Maßstäbe. Der Energieverbund arbeitet mit einem Wirkungsgrad von 86 Prozent, die Einsparung an Primärenergie im Vergleich zu herkömmlichen Systemen beträgt 22 Prozent, die CO2-Minderung gar 57 Prozent.

Ebenfalls beträchtlich ist die Senkung des Schadstoffausstoßes an SO2, an NOX sowie des Staubausstoßes.